Bischof Rafael F. Regelsberger

Rafael F. Regelsberger


Curriculum Vitae

  • Geboren 1934 in Viechtwang, Oberösterreich
  • Schulbildung: Volksschule, Stiftsgymnasium Kremsmünster; Matura 1953
  • 1953  Eintritt in den Benediktinerorden im Stift Kremsmünster
  • 1955 - 59  Theologiestudium in Salzburg und Rom
  • 1958  Priesterweihe
  • 1959 - 65  Kaplan in Bad Hall und Vorchdorf

 

  • 1966 - 69  Pfarrer in Eberstalzell
  • 1970 - 73  Missionar in Brasilien (Barreiras, Bundesstaat Bahia)
  • 1973  Rückkehr und Beurlaubung
  • 1977  Laiisierung
  • 1977 - 92  Religionslehrer an den Berufsschulen Attnang und Wels
  • 1982 - 94  Ehe mit Annemarie, geb. Brunner
  • Seit 1995  Engagement in Kirchenreformbewegung; allmähliche Wiederaufnahme priesterlicher Funktionen; Einbindung in die Bewegung "Frauen für Weiheämter"
  • 2002  Bischofsweihe


Rafael Ferdinand Regelsberger
Warum ich Frauen weihe
oder  
Gott schreibt gerade auch auf krummen Zeilen
(geschrieben im Jahr 2002)

Mein priesterliches Leben

Ich wurde vor über 40 Jahren zum Priester geweiht. Ich war religiös erzogen, Internatsschüler im Benediktinerstift Kremsmünster und der Eintritt war vorgesehen - auch bei mir, trotz aller Zweifel. Ich wurde zum Priester geweiht, es gab kleinere und größere Rebellionen, aber das passte ins Bild des modernen Kaplans. Ich war gerne Priester und ich hatte auch Erfolg bei den Menschen. Ich ging dann von meiner Pfarre weg als Missionar nach Brasilien und habe auch dort gerne gewirkt. Die Probleme haben sich nach meiner Rückkehr nach drei Jahren allerdings aufgetürmt: Burning out nach vielen Dienstjahren, das Aufeinanderprallen von europäischer Kultur und südamerikanischer Tristesse und Lebensart, autoritäre Führungsstrukturen in Stift und Kirche und letztlich auch die in den Vierzigern auftauchende Midlife crisis. Ein von mir erzwungenes Psychologiestudium und neue Lebensperspektiven führten dann zu Ordensaustritt und Abschied vom Priesterberuf durch Laiisierung - es gab ja keine anderen Möglichkeiten. Nach weiteren zehn Jahren heiratete ich eine frühere Ordensschwester, die ich lange kannte. Die Ehe endete nach 12 Jahren wie viele andere auch mit Scheidung.

Mein Weg in der Kirchenreform 

Freunde nahmen mich in meiner Scheidungskrise mit in die Reformbewegung des Kirchenvolksbegehrens. Es gab wieder Hoffnung, dass sich in der Kirche etwas bewegen könnte. Damit einher ging auch die vermehrte Anfrage an mich, wieder mit den Menschen als Priester unterwegs zu Gott zu sein. Sie baten mich, mit ihnen Gottesdienste zu feiern, Menschen kamen, um sich auszusprechen. Vor allem Christine begann mit der Ausbildung für Frauen zu Priesterinnen. Ich war wieder mitten in meinen Lebens- und Berufungsfragen. Diese Probleme der Frauen betrafen mich unmittelbar. Ich musste mich über meine Beziehung zu Frauen im Leben, besonders aber auch in der Kirche auseinandersetzen.


Die Frage der Disziplin

Bei der Weihe der Diakoninnen übernahm ich die Rolle des Diakons in der Liturgie. Mit dem Weihebischof hatte ich freundschaftliche Kontakte geknüpft, er überzeugte mich in seiner Haltung der Solidarität. Seine konsequenter Wunsch mich zum Bischof zu weihen, traf mich allerdings wie ein Keulenschlag. Viele Widersprüche hatte ich zu bedenken: 

  • ich hatte mein offizielles Priestersein ja durch Laiisierung beendet
  • ich habe eine priesterliche Berufung, aber verspürte auch den Wunsch nach Ehe und Familie
  • ich bin in allen Lebensformen scheinbar gescheitert
  • ich fühlte und erlebte mich mein ganzes Leben als Priester
  • ich hatte Gehorsam gelobt in meiner Ordensprofess, sie war jedoch aufgehoben
  • konnte ich einen solchen "Ungehorsam" der "Amtskirche" gegenüber verantworten und aushalten?
  • ein Teil meiner Ordensprofess war auch "conversatio morum" - die Bekehrung der Sitten, das heißt fallen und immer wieder aufstehen, neu anfangen, umkehren, neue, auch unbekannte Wege zu Gott und den Menschen zu suchen
  • den inneren Habit konnte (und wollte) ich nicht ablegen
  • die Menschen akzeptierten mich als Priester, würden sie das auch als Bischof tun?
  • was würden meine Mitbrüder und Freunde denken, wenn ich ein solches "Amt" den Frauen gegenüber wahrnehmen würde?
  • war ich es den Frauen nicht schuldig, ihnen im priesterlichen und bischöflichen Dienst auf ihrem Weg zu helfen?
  • konnte ich alles selbst aushalten in meinem fortgeschrittenen Alter, auch mit vielerlei körperlichen Beschwerden?

 

Es ist wie es ist. 

Ich habe in die Bischofsweihe eingewilligt und bin bereit, an der Weihe der Frauen mitzuwirken:

Ich bete darum, dass die Menschen, besonders die Frauen mich jetzt als Bischof annehmen können. So wie bisher werde ich da sein. Wenn sie mich um meinen bischöflichen Dienst bitten, werde ich ihnen die Hände auflegen. Ich werde die Dienste tun, die den amtlich bestellten Bischöfen nicht möglich sind.

Meine Berufung und die Berufungen der Frauen sind durch Gott geschenkt und nicht, weil bezahlte Ämter in Aussicht sind. Karrieresucht kann daher kein Motiv sein.

Bischofsernennungen durch den Papst entsprechen nicht immer den pastoralen Bedürfnissen und scheinen eine Restauration konservativer Strömungen zu begünstigen. Sie dienen oftmals der Machterhaltung Roms und der zentralistischen Kontrolle.

Gefragt sind nachgehende Pastoral und nicht "Regimesicherung" und Zentralismus.

Der Bischof soll aus dem Volk für das Volk geweiht sein.

Viele amtsführende Bischöfe fürchten Sanktionen, wenn sie die vatikanische Disziplin durchbrechen. Damit droht eine Nachbesetzung ihrer Diözesen, die dem Anliegen Jesu und der Frohbotschaft des Evangeliums widersprechen.

Da ich als Bischof nur jene pastoralen Bereiche abdecken möchte, die dem amtierenden Diözesanbischof nicht möglich sind, bin ich für ihn keine Konkurrenz. Der Papst selbst akzeptiert das persönliche Gewissen als höchste Instanz in der Verantwortung vor Gott.

Ich hoffe und bete darum, dass Gott meinen Wahlspruch "Deus curat" - Gott heilt - für viele Menschen in der Kirche Wirklichkeit werden lässt. Ich wünsche und bete, dass Wunden heilen mögen, Fenster geöffnet werden und der Geist Gottes uns alle führen möge.


Warum ich Frauen weihen werde 

Gal 3,28   Da gibt es kein Männliches und Weibliches. Denn alle seid ihr Einer - im Messias Jesus.

Es ist eine Frage der Gerechtigkeit. Die weibliche Seite Gottes muss im 3. Jahrtausend auch in den berufenen Frauen sichtbar gemacht werden. Es ist traurig, dass wir "contra legem" zu Handeln gezwungen sind. Das Gesetz der Liebe verpflichtet mich aber. Denn Gerechtigkeit kann nur hergestellt werden, wenn auch in der römisch katholischen Kirche diese Form der Diskriminierung der Frauen beendet wird. Im Jahr der Berufungen hat Gott das Beten der Menschen erhört. Denn ER beruft in Seinen Dienst, wen ER will.

 

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© Regina Ladewig